
Björn Markus von der Bröring Unternehmensgruppe machte deutlich, dass in der jetzigen Krise die Futterkosten kritisch unter die Lupe genommen werden müssten, da das Futter der größte Posten in der Schweineproduktion sei. Der Rohstoffmarkt sei weltweit zu betrachten, ist er wie jetzt in Aufruhr, betreffe das auch die EU. Trotz einer Welt-Getreide-Rekordernte in 2007/2008 von fast 2,1 Mrd. Tonnen könne die Rekordnachfrage nicht gedeckt werden, daher sinken die Lagerbestände weltweit, nicht zuletzt aufgrund des Hungers einer jährlich um ca. 80 Mio. Menschen steigenden Weltbevölkerung.

Björn Markus von der Bröring Unternehmensgruppe
Schon jetzt seien die Export-Möglichkeiten der USA bei Weizen fast erschöpft. Australien hatte eine schlechte Weizenernte aufgrund fehlender Niederschläge und Russland treibe die Preise an der Börse aufgrund der Getreideexportsteuer hoch. In der EU sei die Getreideernte aufgrund von Klimaschwankungen niedriger als erwartet ausgefallen, zudem hätten etwa die Saudis die wenige Gerste in hohem Maße aufgekauft, die stände dem deutschen Markt nun auch nicht mehr zur Verfügung. Und aufgrund der weltweit knappen Getreidebestände hätten Länder wie etwa die Ukraine ihre Exporte erst einmal eingestellt, weil die Inlandsversorgung Vorrang habe. Die ablehnende Haltung der EU gegenüber genetisch veränderten Organismen (GVO) trage ebenfalls zu der schwierigen Lage bei, da die EU jährlich etwa 30 % Eiweißimporte benötige und diese aufgrund des Importverbotes von GVO-Soja nicht importieren könne. Beim Mais sei die EU leicht unterversorgt, importiere aber preislich attraktiven Mais aus Brasilien, bei dem es allerdings oft Lieferverzögerungen gebe aufgrund von begrenzten Frachtkapazitäten und vielen Papieren, die für die Einfuhr notwendig seien.
Steigende Erdölpreise und die Sorge um Versorgungssicherheit bei fossilen Energieträgern führe zu einer massiven Förderung der Bioenergie. Das Szenario „hohe Erdölpreise – liberalisierter Welthandel“ mache es zukünftig nötig, dass sich Regionen spezialisieren sollten, so Markus. Für Deutschland mache die Produktion von Rohstoffen für Biokraftstoff keinen Sinn, da z.B. bei 10 % Biokraftstoffanteil in der EU 52 % von Europas Ackerfläche benötigt würden. Deutschland bzw. Europa sollte sich daher auf die Verbrennung von Holz, Getreide und Stroh spezialisieren sowie auf die Produktion von Biogas aus Reststoffen (nicht Nawaro), und die Intensivierung der Nahrungsmittelproduktion und Veredlung. Flächenstarke Überseestandorte dagegen sollten die kostengünstige Erzeugung von agrarischen Rohstoffen vorantreiben sowie die Produktion von Biokraftstoffen und Strom aus Ackerfrüchten. Für 2008 prognostizierte Markus, dass Nahrungsmittel und Energie die Preise der agrarischen Rohstoffe bestimmen werden. Er erwartet eine Nachfragesteigerung bei Getreide für Lebensmittel, Öle für Bioenergie und dadurch steigende Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe insgesamt. Dadurch steigen die Kosten der Veredlung mit Konsequenzen für die Nahrungsmittelpreise. Hinzu kämen veränderte Verzehrs- und Verbrauchergewohnheiten wie z.B. der steigende Fleischverzehr. Außerdem erwartet er die Veränderung der weltweiten Warenströme hin zu mehr Stärke- und weniger Eiweißproduktion. Insgesamt werde die Landwirtschaft weltweit an Bedeutung gewinnen.
Veränderte Rohstoffmärkte erzwingen Suche nach alternativem Schweinefutter
Bei Bröring werde aufgrund der zu erwartenden Rohstoffverknappung und -verteuerung schon jetzt nach Futtermittelalternativen gesucht. Aus Übersee kämen Tapioka als geschmacksneutrale Stärke sowie Milokorn (eine Hirseart) als Getreideersatz in Frage, weiterhin alternative Rohwaren wie u.a. Mühlennachprodukte, Kartoffelchips, Keksmehl, Cornflakes, Back- und Teigwaren sowie Waffel- und Schokomehl. Allerdings seien auch diese Produkte vom Preis des Ausgangsprodukt abhängig. Neue Nebenprodukte wie Getreideschlempen und Glyzerin entständen bei der Ethanolproduktion, klassische Nebenprodukte wie Weizenquellwasser, Weizenstärke, Kartoffeldampfschalen, Molke, Biertreber wären ebenfalls Alternativen mit guter Futterverwertung, aber sie unterlägen auch Qualitätsschwankungen und brächten einen hohen Investitionsbedarf mit sich. Der Preis orientiere sich wieder am Getreide, die Verfügbarkeit sei begrenzt und aufgrund schon bestehender Abnahmeverträge sei der Einsatz für Neueinsteiger schwierig. Die Landwirte forderte Markus auf, ihre hofeigene Mischung auf den Kostenprüfstand zu stellen und sich genau durchzurechnen, ob es tatsächlich günstiger ist, selbsterzeugtes Futter zu verfüttern. Es bestände immer die Alternative, es zu gutem Preis zu verkaufen und auf Mischfutter zu setzen. Derjenige, der gut mit der hofeigenen Mischung zurecht komme, soll dabei bleiben, alle anderen sollten den Preisvorteil von Mischfutter nutzen, da Mischfutterunternehmen günstiger einkaufen könnten. Das Futter müsse vor allem Leistung bringen und einen guten Schlachtkörper mit hohem Magerfleischanteil produzieren. Das optimale Schlachtgewicht müsse betriebsindividuell festgelegt werden, viele mästen laut Markus ihre Tiere zu fett, obwohl bekannt sei, dass die letzten Kilo Schlachtgewicht aufgrund der schlechten Futterverwertung teuer erkauft würden. Markus empfahl dazu Optimierungsprogramme wie Farmers Friend online oder die Infosys Datenbank. Denn je höher der Futterpreis, desto wichtiger werde die Futterverwertung.